Christian Renner (ch12r)

Netzfund: pennergame – Deutschland populärstes Browsergame

Es ist immer wieder verwunderlich, wie man im WWW immer mal wieder auf die kuriosesten Dinge stößt, ohne diese ursprünglich gesucht oder auch nur im Entferntesten daran gedacht zu haben, sie zu finden. Heute war es mal wieder so weit.

http://img.pennergame.de/cache/signaturen/1624521.jpg

Die Avatar-Statistik auf pennergame.de. Bei einem Klick auf das Bild wird eine virtuelle Spende abgegeben.

Angefangen hat alles bei seitwert.de, als ich nämlich danach geschaut hatte, was mein neues Weblog denn SEO-technisch so drauf hat. Technisch sah die ganze Sache natürlich dank WordPress und dem “All-in-one-SEO-Plugin” sehr gut aus. Keywordmäßig scheine ich auch gut aufgestellt, doch bei alexa.com und anderen Verzeichnissen bin ich gar nicht gelistet. Kein Wunder, da ich im Moment ja auch noch nicht soooo viele Artikel geschrieben habe, als dass es sich lohnen würde mich von anderswo zu verlinken. Dennoch wollte ich mal wissen, was denn so die “Großen” im alexa-klicki-Wunderland sind.

Als ich dann mal die 100 meist geklicktesten Webseiten Deutschlands durchgegangen bin, bin ich auf Platz 62 dann doch sehr verwundert auf eine Domain namens “pennergame.de” gestoßen. Hinter der Domain verbirgt sich, wie sich schon fast vermuten lässt, ein Browsergame bei dem der User in die Rolle eines Obdachlosen schlüpft. Im ersten Moment war ich doch erst einmal geschockt. Das soll also Deutschlands derzeit beliebtestes und auch erfolgreichstes Browsergame mit mehr als 600.000 Mitgliedern (Stand: Oktober 2008) sein? Sind wir denn schon so weit?

Ich begann zu recherchieren und stellte fest, dass sich nicht nur mir diese Frage stellte, sondern auch Politikern oder anderen Medienvertretern. Aus den Beiträgen geht hervor, dass die noch sehr jungen Betreiber einen Teil der Einnahmen an Obdachlose in Hamburg spenden. Des Weiteren stehe im Vordergrund, den Nutzer des Angebotes, durch in einer “comic-hafte(n) Weise” überspitzte Elemente, lediglich auf das Thema “Obdachlosigkeit in Deutschland” zu sensibilisieren und nicht die Realität originalgetreu wiederzugeben. Um aber eine wirklich endgültige Entscheidung zu fällen, wollte ich mich selbst vom Spielgeschehen überzeugen.

Also flix einen Account angelegt, eingeloggt und was seh ich da? Mein Obdachlosen-Tamagochi ist ungewaschen, unzufrieden und auch absolut talentfrei. Selbst die Grundvoraussetzung für eine schnellstmögliche Resozialisierung, die Sprache, muss erst einmal erlernt werden. Ich denke gerade über letzteren Punkt kann man streiten, aber an sich eine realistische Ausgangsposition für jemanden, der von der Parkbank in eine Villa einziehen möchte. Um den gesellschaftlichen Aufstieg in Angriff zu nehmen, ist Geld erforderlich. Hierzu bieten sich dem Spieleinsteiger das blose Betteln mit Hilfe eines Pappbechers, ehrliche Arbeit in Form von Flaschen sammeln oder Musizieren in der Fußgängerzone oder ein Einstieg in das kriminelle Leben eines Taschendiebes. Grundsätzlich ist es so, dass mit höherem Einsatz des Nutzers im Spielgeschehen, sei es in Geldbeschaffung oder Bildung, der Avatar sozial aufsteigt. Kauft man dem Avatar einen Schwamm, kann er sich waschen und nimmt somit mehr Spenden ein. Lernt der Avatar sprechen und musizieren, kann er irgendwann Leute kennen lernen, die ihm eine Wohnung vermitteln, usw.

Was ich etwas unschlüssig finde, ist das sogenannte “Promillesystem”, welches sich unmittelbar durch Alkoholzufuhr beeinflussen lässt. Führt man dem Avatar Ethanol zu, hebt sich dessen Gemütszustand solange, bis er einen Pegel von 3,5 Promille erreicht hat. Ab hier wird es dann kritisch und mit 4 Promille wird der Avatar dann endgültig per Krankentransport in das Krankenhaus verlegt. Zwischen 2,5 Promille und 3,5 Promille scheint es jedoch optimal zu sein und in diesem Zustand ist das Alter Ego auch am Lernwilligsten, was meines Erachtens etwas widersprüchlich erscheint. Die Begründung liegt zwar darin, dass hier der Widerstand gegen das Lernen geringer wird. Meine Erfahrung zeigt aber, dass Alkoholgenuss und Lernerfolg und darauf kommt es ja letzten Endes an, nicht zusammengehören. Ich denke, hierüber könnte von Seiten der Betreiber eventuell noch einmal nachgedacht werden.

Ansonsten finde ich das Spiel gut durchdacht und es bietet eine willkommene Abwechslung in der überfluteten Welt der Browsergames. Ob es die einzelnen Nutzer für die Situation von Obdachlosen sensibilisiert, kann ich nicht sagen. Das allein schon durch die durch das Spiel generierten Werbeeinnahmen verschiedene Institutionen in Hamburg in Form von Spendengeldern profitieren konnten, ist denke ich Erfolg genug. Ich finde zudem, den Ansporn, seinen Avatar durch eigenes Engagement wieder aufzupeppeln und dadurch auch gesellschaftlich zu reintegrieren, einen an sich hochwertigeren Spielgedanken, als lediglich irgendwelche Kriege in der Steinzeit, im Mittelalter oder im Weltall zu führen, ohne Spiele mit solch einem Motiv kritisieren zu wollen.

Des Weiteren hat sich aus dem Projekt mittlerweile ein aufstrebendes, junges Unternehmen entwickelt, welches durchaus für den einen oder anderen attraktive Arbeitsplätze in schöner Hamburger Lage bieten könnte.

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3 Comments

  1. donnybrasco
    Posted 9. January 2009 at 16:44 | Permalink

    mitler weile sind es 1.201.395 spieler die das spielen^^

  2. Posted 9. January 2009 at 18:28 | Permalink

    Vielen Dank für den Hinweis. Habe nur zum Zeitpunkt als ich den Beitrag verfasst, habe keine Zahlen im Netz gefunden gehabt.

    Wie dem auch sei. Es sind in jedem Falle beachtlich viele 😉

  3. pennergamer
    Posted 19. June 2009 at 16:22 | Permalink

    wir sind bei 1.6 millionen

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